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Zuhause 

 

Sag mal: Wo bist du  zuhause?

- Wie meinst du das? Möchtest du wissen, wo ich wohne?

Das auch – aber das meine ich nicht. Wo kommst du her? Was hat dich geprägt?

- Also – geboren bin ich in Berlin, aufgewachsen während der Kriegszeit und den Bombenangriffen in Süddeutschland und Pommern – und danach wieder in Schwaben in Süddeutschland und dann im Ruhrgebiet.

Hm.  Und dann?

- Studiert habe ich in Göttingen und Bonn. ..

Du bist also nirgends so richtig zu Hause?

- In Deutschland eben. Da ist alles vertrauter als anderswo auf der Welt.  Ich hatte – bis vor einigen Jahren, immer Eltern, auch im Krieg war meine Mutter immer da. Früher  - das schmeckt nach „zu Hause“

- Und nun – ja – seit 1975 haben wir ein Haus in Essen-Burgaltendorf.

Da bist du also zuhause?

 

Solche Fragen können einen schon nachdenklich machen. Wo bist du zu Hause... Wo ist deine Heimnat?

Heimat war immer ein Thema für mich und ich fühle mich allen Menschen verbunden, die auf der Suche nach Heimat sind. Manche Suchende sind nicht von einer bestimmten Kultur geprägt, manche haben keine leiblichen Eltern kennen gelernt, manche haben leidvolle Erfahrungen mit einem sogenannten „Zuhause“ gehabt. Das alles ist bei mir nicht der Fall.

Und trotzdem bin ich noch auf der Suche.

 

Da ist eine Grundsehnsucht. Wie bei E.T., dem Außerirdischen, der immer wiederholte: „Ich will nach Hause“.

 

Manchmal im Leben überfiel mich der Gedanke:

DAS Zuhause, das ich manchmal brauche, ist nicht auf Erden zu finden.

Denn perfekt war meine Familie nie und ist es auch in Zukunft nicht. Welche Familie ist das?

Mein Land ist es nicht, meine Stadt nicht und meine Gemeinde auch nicht.

So bedingungslos, so herzlich, so vollkommen wie ich es mir manchmal wünsche, versteht und liebt mich niemand. Niemand? Doch. Einer. Gott. Es wäre daher unrealistisch und würde jeden Mitmenschen überfordern, wenn ich von ihm, einem  Menschen, die Hingabe und die Wärme erwarten würde, die nur Gott geben kann.

Und ich selbst? Mit welchem Recht wünsche ich mir so ein Zuhause, das ich selbst nicht geben kann? Ich   selbst bin doch absolut nicht so, wie ich es von anderen erhoffe.

 

Ich selbst könnte ja auch diese Erwartungen nicht  erfüllen und anderen diese Liebe geben.

Ich bin auch schon oft an Grenzen gestoßen, wo die beste Absicht und Geschicklichkeit nicht ausreichte bei mir, einem anderen Menschen zu dienen, ihm zu helfen, mit ihm gut auszukommen. Man kann daran zerbrechen und dann mehr kaputt machen als ohne „Hilfe“ kaputt ginge.

 

Und wenn es schon kein Zuhause für einen Menschen geben kann, das ihm so ganz und gar ein ZUHAUSE ist, wie soll das zugleich dann ein Zuhause sein für viele. Und wie kann das ein Zuhause sein, wenn ich nicht das Vertrauen haben kann, dass es so vertraut und verständnisvoll bleibt. Wenn plötzlich „die Vandalen“ einbrechen: Menschen, die ganz anders sind, die neue Probleme mitbringen, die mich überfordern, die eine andere Kultur oder Unkultur mitbringen und die Führung übernehmen, keine Regeln einhalten, die nicht dienen, sondern herrschen, die über meine Lieder lachen, über das, was mir lieb und wichtig ist. Das ist dann keine Heimat mehr, wenn ich mich wegsehne, weil alles fremd geworden ist.

Anderen Heimat geben, das kann auch überfordern. Hilfsbereite werden auch ausgenutzt, gewachsene liebevolle Atmosphäre kann zerstört, Vertrauen hintergangen. Ein Seelsorgekreis kann kaputt gehen, wenn unsensible Menschen dazukommen ...

 

Aber woher kommt die Sehnsucht, wenn sie über das hinausgeht, was auf Erden möglich ist?

Die Sehnsucht hat mit unserem Ursprung zu tun. Wir kommen von Gott und sie zielt auch nicht auf ein irdisches Paradies, sondern sie wird erst gestillt, wenn wir dort wieder bei Gott ankommen.

 

Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen. In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war. Psalm 139,16

 

Vielleicht soll sie sich auch nicht erfüllen... Vielleicht soll sie uns nur wach halten für die Tatsache, dass wir nicht von dieser Welt sind und auch auf einem Weg in eine Heimat sind, die hinter allem und über allem liegt. Vielleicht erfüllt sie sich für denjenigen schon stückweise, der ganz aus Gott lebt?

Heimat umfasst sicher alles das, was nur Gott mir geben kann: Geborgenheit, Nähe, akzeptiert zu werden und  geliebt.

Und wenn ich DAS habe von Gott, dann habe ich Heimat, trage sie mit mir herum.

Und dann kann ich für einen anderen Menschen etwas Heimat sein: ein Licht sein, ein Wegweiser, Wärme schenken und Verständnis.  In Gottes Namen geht das.

 

Da las ich einen Satz, der bringt es auf den Punkt:

„Es geht nicht so sehr darum, sich nach der Heimat tot zu suchen, sondern sich auf dem Wege finden zu lassen. Philipp Greifenstein

 

Vielleicht sagst du: „Gott hat mich schon gefunden! Genau das ist geschehen!“

Dann wirst du auch geborgen sein, akzeptiert, geliebt wie du bist, egal wo  du bist auf dem Weg.

Dann bist du schon zu Hause in der Ewigkeit

Jesus spricht: "... und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit" Johannes 11,26

 

Und wo hat er dich gefunden? Irgendwo unterwegs. Wie er auch dem Mose begegnet ist. Gott-Jahweh hat sich dem Mose zu erkennen gegeben unter dem Namen „Ich-bin-da“.  Er sagt damit: Ich bin überall da, in jedem Lebensbereich, in jeder Situation, am Arbeitsplatz, im Supermarkt, im Stall, auf dem Feld, in der Schule, in der Gemeinde, in den Ferien, auf dem Fahrrad und beim Fegen. Vinzenz Pallotti 1795-1850(Papst Franziskus hat ihn heilig gesprochen) hatte eine Gemeinschaft von Priestern und Laien gegründet. Ihm war bewusst: Gottes Reich beginnt genau da, wo du bist. „Sucht Gott und ihr werdet ihn finden, sucht Gott in allen Dingen, und ihr werdet ihn in allem finden. Sucht ihn immer und Ihr werdet ihn immer finden.“

 

„Wir müssen Gott einatmen und ausatmen, Gottes Gegenwart ausstrahlen.“

Dann können wir auch Heimat geben.

Suchst du Heimat für dich selbst, gib anderen Heimat, dann zieht Gott ein in dein Herz.

 

Kümmere dich um andere, liebe sie, bete für sie, lass dich finden durch sein Wort, durch Jesus: Unser Leben besteht daraus, uns aufzuopfern, wenn wir Heimat finden wollen, nicht so sehr auf uns zu achten, auf unser Recht, unsere Sehnsucht – sondern Jesu Liebe zu leben.

Dann übersteht man auch Probleme.

Wir können eine wunderbare geistliche Atmosphäre haben– und dennoch können Menschen, die das nicht verstehen, diese stören, wir können eine liebevolle Beziehung haben unter einander – und dennoch können einige mit bösen bemerkungen und Verdächtigungen eine böse Saat legen. Wir können eine wunderbare Familie haben – und dann passiert etwas, was uns alle überfordert. Und alle wünschen sich nur noch weg.

Aber  Durch all solche Täler und Engpässe kommt man sicherer, wenn man die Heimat in Jesus gefunden hat.

Eigentlich unverlierbar – im Herzen geborgen, verankert.

 

Und das ist eben kein Ort außerhalb, es ist auch keinSchatz, den man kaufen oder erwerben kann. Es ist ein Geschenk, das Du da bekommst, wo Du bist, Du selbst, unverfälscht, ganz und in Liebe.

 

Dazu eine Geschichte:

Zwei Mönche lasen in einem alten Buch:

Es gibt einen Ort auf der Welt, wo sich Himmel und Erde berühren. Dort ist eine Türe. Man muss dort nur anklopfen.  Da beginnt das Reich Gottes.

Die Mönche sagten sich: Das ist das Wichtigeste überhaupt! Diese Türe wollen wir finden.

Sie zogen los und überstanden viele notvollen Situationen und Gefahren und verloren fast den Mut und die Lust. Da standen sie eines Tages vor der Türe. Irgendwie wussten sie: Das ist sie. „Bebenden Herzens“ klopften sie an und da öffnete sie sich von selbst – und sie standen in ihrer eigenen Klosterzelle, von der sie vor Jahren ausgezogen waren. Da begriffen sie:

Gottes Reich beginnt  an der Stelle, die Gott uns zugewiesen hat.

 

Erika Steinbeck

 

 

 

 

 

 

 

 

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