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So ist das Leben!

Wie ist das Leben?  

 

Wir lesen zum Beispiel von Cyril Axelrod:

 

Cyril Axelrod wird 1942 taub geboren. Er hat eine schwierige Kindheit. Zusätzlich diagnostiziert man 1979 bei ihm das Usher Syndrom, er wird allmählich blind. Da ist er gerade 37 Jahre alt. 2001 kann er endgültig nichts mehr sehen.

Such is Life?- So ist also das Leben? Hart, ungerecht, grausam, oder?

 

Dann erfahren wir:

Inzwischen hat Cyril Axelrod aber Philosophie studiert und ist 1970 Priester geworden und leitet nun die ganze Gehörlosengemeinde von Südafrika, reist durch viele Länder der Welt und gründet dort Organisationen, die tauben Menschen zu Ausbildung und Akzeptanz und Wertschätzung verhilft. Seit 2001 setzt er sich als Pastoral Support Development Coordinator für Taubblinde ein. Im gleichen Jahr erhält er die Ehrendoktorwürde der Gallaudet-Universität in Washington D.C. .Mit 72 Jahren wird er geehrt und zum Offizier des „Order of the British Empire“ ernannt.

Ach, so ist das Leben? Faszinierend, herausfordernd, stark, bewundernswert, gesegnet?

 

Auf eine einfache Formel können wir das Leben nicht bringen.

Schon für Cyril Axelrod war es nicht mal nur so und mal nur so - er nennt sein Leben eine Reise. Der Titel seiner Autobiographie heißt: „And the Journey Begins“, „Und die Reise beginnt“. 

 

Diese knappen Formulierungen über das Leben, die so präzise und endgültig daher kommen, sind doch nur ganz einseitig und sagen wenig aus.:

 

So ist das Leben…“  Das sagt vielleicht  …

  • ein Sterbender, der resigniert, 
  • …oder einer, der gerade ganz groß rausgekommen ist, einen großartigen Erfolg erlebt hat,
  • …oder das sagt ein Looser, ein „Verlierer“, der mal wieder leer ausgeht,
  • …vielleicht spricht so ein Flüchtling, der alles verloren hat in einem brutalen Krieg,
  • …oder ein Mensch, der gerade genesen ist und erlebt: ich habe doch noch eine Chance.
  • …vielleicht sagt das einer, der alles vereinfachen möchte: Das Leben ist so: alles Biologie und Chemie,
  • …oder es ist der begeisterte Ausruft eines Menschen, der überwältigt ist von der blühenden Pracht im Frühling.

 

Menschen beziehen sich nur auf bestimmte Situationen, und wie es ihnen damit geht, Situationen, an denen sie zerbrechen oder reifen.Das bringt uns nicht weiter mit unserer Frage, was das denn nun ist mit dem Leben.

 

Am besten fragen wir Gott, denn von ihm kommt alles und zu ihm geht alles.

 

Also: 

Herr, was soll das Leben? WelcheBedeutung hat mein Leben für mich?

Du hast so eine unglaubliche Vielfalt erschaffen, von der kleinsten lebenden Zelle bis zu dem fantastischen Organismus Mensch, der sogar darüber nachdenken kann - ist alles auf einander abgestimmt und erhält sich gegenseitig. Das Leben entwickelte sich auch über Katastrophen hinaus immer wieder neu in verschwenderischer Schönheit und Vielfalt… Und wir dürfen das wahrnehmen und darin leben, ja wir dürfen darin schaffen und wirken und schöpferisch tätig sein, etwas entwickeln, durchschauen, erleben. Unglaublich schön.

zugleich ist Leben auch Dienen, jedes Lebewesen, ob Pflanze oder Tier,  dient dem Leben, das nach ihm kommt, manche nennen es „Fressen- und gefressen-werden“. Und das kann so weh tun. Und dann gibt es Sturmfluten und Brände, Vulkane und Erdbeben und Seuchen und Heuschreckeninvasionen - und all das, was aus Hass und  Gewalt und Zerstörungssucht geschieht - manch einer erlebt das Leben wie einen immerwährende Kampf, mit übermäßigem Leid.

Sind wir in diesesLeben auch hineingeworfen und irgendwie „verwertet“?

 

Wenn ich Aussagen der Bibel zusammenfasse, könnte Gott so antworten:

Ich habe das Leben geschaffen - und das ist auch die Voraussetzung dafür, dass es dich gibt. Ja, du bist Teil dieser Welt. Es würde diese Welt auch ohne dich geben, aber sie wäre nicht vollkommen. Ich habe Dich geschaffen, weil ich ein Gegenüber wollte, ein Wesen, mit dem ich sprechen kann und das Geist ist von meinem Geist, das meine Liebe lebt. Das geistliches Leben ins Leben bringt. Verlängerter Arm der Schöpfung. 

Dazu reicht das nicht, was den Tieren reicht, das ist noch nicht die Fülle, das volle Leben, aus dem Du schenken und schaffen kannst: Du musst dazu in mir geborgen sein, denn von mir kommst du und ich lasse dich nicht los - nur wenn du nicht willst, dann schon. Aber es tut mir weh.

 

Ja, manchmal ist das so umwerfend schön und ich weiß so sicher, dass Gott mir ganz nahe ist. Aber gerade im Alltäglichen  kann man ziemlich entmutigt werden, manches wird da zu viel. Mitmenschen, oft die nächsten, reiben uns auf. Oder manche schlimmen Ereignisse kommen zu sehr nahe, berühren uns tief. 

Wir denken dann oft, wir stehen alleine da. Dann nützen keine kluge Aussagen, selbst geistliche Wahrheiten prallen oft ab, weil du gar nicht mehr hinhörst - aber eines kannst du dann immer noch:

Dich einfach in Gottes Arme werfen - im Vertrauen, im Glauben - oder weil nichts anderes mehr Sinn macht

 

Und da bist Du nicht alleine. Friedrich von Weizsäcker sagte, dass man dieses Experiment einfach mal wagen muss und Luther spricht von der vita experimentalis, vom Leben als Experiment, als Probe des Vertrauens. Weil alles andere keinen Sinn mehr macht: Sich nur noch für Gott entscheiden gegen das Nichts (Johannes Hansen).

 

Und plötzlich ist man dort, wo man hingehört, von wo man kommt und wo man alles hat, was man wirklich braucht, die Fülle, Leben aus der Fülle.

Jesus sagt:

 „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben 

und es in Fülle haben 

Joh 10,10

Aus der Basis, aus dem tiefen Grund der Existenz.  Nicht mit den Ressourcen, die man mal hat, mal nicht, nicht gestützt auf Menschen, die so zerbrechlich sind. Sondern wirklich: Leben aus der Fülle. Wieder durchatmen. Geistlich atmen. Atmen ist Leben.

 

Bei der Frage nach dem Leben und wie es zu definieren ist, was es ausmacht, landen wir immer wieder bei der Frage nach dem Sinn des Lebens. Und damit bei Gott. 

 

Happy landing, das ist eine glückliche Landung, wenn alles seinen Sinn bekommt, das Sichverweigern und das Sicheinsetzen, das Aushalten und das Durchstarten, das Leiden und das Glücklichsein, das Ruhen und das Nichtstun und das Zupacken und Abrackern, das Schaffen und das Beschenktwerden…

 

So ist das wahre Leben. Leben aus der Fülle.

Wie neu geboren. Ganz von Gottes Atem durchlebt.

Wie neu geborgen. 

So ist das Leben.

 

Erika Steinbeck 2022

 

 

 

 

 

 

 

 

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