Licht an! Einschalten, abschalten, umschalten 

 

Licht an! OK. kein Problem heute. Das Licht wird angeknipst, und schon hat man helles oder gedämpftes Licht, gelbliches oder weißes - und das gedimmt oder voll leuchtend. Und draußen - gibt es Straßenleuchten und Verkehrslichter und in den Städten zusätzlich Lichtreklame und beleuchtete Fassaden und erleuchtete Schaufenster… So viel Licht, dass man von Lichtverschmutzung redet. Man kann in der Nähe von Städten nur noch die größten Sterne sehen und Insekten und andere Tiere sind verstört.

Das war früher anders, als es noch kein elektrisches Licht gab. In der Antike - da hatte man abends und nachts im Innern des Hauses das Herdfeuer, das etwas Licht gab -  oder  Kienspäne und Öllampen - und draußen war es eben dunkel. Damals war es üblich, das Licht im Haus rituell zu entzünden. Man fühlte sich dann nicht so den dunklen Mächten ausgeliefert. Später dann war das Licht für die ersten Christen ein Symbol für Christus. Bei den abendlichen Versammlungen wurde es wohl schon mit ähnlichen Worten begrüßt, wie wir es (seit dem 5. Jahrhundert) im Gottesdienst der Osternacht immer noch tun: „Christus ist das Licht. Gott sei ewig Dank.“

 

Wir erleben das aber nur noch in der Osternacht in katholischen Kirchen und auch in einigen evangelischen Kirchen, wie bei uns in Burgaltendorf. Aber eben nicht mehr allabendlich, das ist nur noch in wenigen Klöstern der Brauch. 

Wir sind offensichtlich nicht mehr davon überwältigt, dass wir DAS LICHT haben.

Oder wird es uns allmählich doch wieder bewusst?

Allerdings: Es gibt einen Tag des Lichtes!

Es ist der 16. Mai, von der Unesco 2017 ausgerufen, um zu würdigen, was wir dem Sonnenlicht und überhaupt dem Phänomen Licht verdanken: seine soziale, kulturelle, medizinische und technische Bedeutung. Und wie das Licht eingesetzt werden kann für ein friedliches Miteinander.

Und es gibt Lichterfeste das ganze Jahr über , nicht nur in Essen, in Travemünde und in Japan, in Indonesien und Indien . Wunderbar. Wir genießen solche Ereignisse.

Aber wir gehen auch sehr unbedenklich und verschwenderisch um mit dem Licht, den elektromagnetischen Wellen, mit der Energie, die wir da für einsetzen. Und handeln uns große Probleme ein.

Wir können uns diesen unbedenklichen Luxus eigentlich nicht mehr leisten.

Was wäre, wenn plötzlich - durch Hacker, Versorgungsproblem oder Störungen aus dem Weltall oder Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche) plötzlich kein Licht mehr da wäre, nicht mehr zur freien Verfügung stünde. Wenn es hieße:

 

Das Licht ist aus!

 

Seit 2007 möchte der WWF uns das vor Augen zu führen, wie das wäre, was das mit uns macht, wenn es plötzlich duster ist.  Jedes Jahr am 26. Mai, in der Earthhour, der Stunde der Erde, ruft er dazu auf, das Licht ABZUSCHALTEN, für eine Stunde, von 20.30 bis 21.30 Uhr, um deutlich zu machen: Was würde es bedeuten, wenn wir all diese Errungenschaften aufs Spiel setzten durch einen Klimawandel, der uns diesen Luxus nimmt? Und 2021 machten 197 Länder mit und in den Wohnungen und Büros wurde es dunkel, auch an öffentlichen Gebäuden, am Eiffelturm in Paris und an der Oper in Sydney. Das Motto:

"Licht ausschalten, damit den Menschen ein Licht aufgeht!“

Und diese Aussage ist einfach genial.

Einerseits ist sie so einfach - jeder kann sie begreifen: Wenn du wissen willst, wie gut Licht ist, mach`s aus im Dunkeln, dann merkst du schon, was das Licht wert ist!

Andererseits ist diese Aussage so tiefgründig, dass man lange daran weiterdenken kann:

 

"Licht ausschalten, damit den Menschen ein Licht aufgeht!“, das gilt nämlich auch im übertragenen Sinn: Wenn dir ein Licht aufgehen soll, dann ist es manchmal sogar nötig, dass das Licht erst mal ausgeschaltet wird. Dann erst wird es dir bewusst, merkst du hautnah, was es wert ist.

Es ist wirklich nötig, dass du dir nicht nur vorstellst, wie es wäre, wenn, - sondern dass du es erlebst: Oh -  so ist es also, wenn es da gar kein Licht mehr gibt, wenn ich ganz alleine bin, wenn ich gar nichts mehr tun kann, wenn es nichts mehr zu essen gibt, wenn mich keiner mehr mag, wenn ich gar keine technischen Hilfsmittel mehr habe, wenn alles aus ist…

Wenn wir dunkle Zeiten erleben, fangen wir an, tiefer zu begreifen. In dunklen Zeiten wird uns bewusst, was uns eigentlich wichtig ist und wie überflüssig manches ist, für das wir uns vorher abgearbeitet haben. In dunklen Zeit erleben wir Zuwendung, wo wir es nie erwartet haben, in dunklen Tagen ist jeder Lichtblick ein Wunder…

Diese dunklen Stunden, dunklen Zeiten sind nicht einfach, manchmal sehr hart und tun weh, - aber danach weiß man wieder, was wichtig ist und was nicht. Es ist ja so toll, wie ein Wunder, nach der Dunkelheit das Licht zu genießen, zu danken, sich zu freuen.

 

Licht ist nicht immer ein Segen. Ist die Sonne zu stark, vertrocknet alles und Brände lodern auf. Und:

Licht ist nicht gleich Licht. Es gibt solches und anderes.

Licht kann grell sein, zu grell oder unzureichend, es kann dir etwas vorgaukeln, was gar nicht existiert, mit Licht kann man blenden und durch Spiegeleffekte verwirren und Farben total verfälschen, ein falscher Leuchtturm kann ein Schiff in Gefahr bringen.

 

Abschalten ist da manchmal die einzige Möglichkeit, um mir klar zu machen, welches Licht ich eigentlich will und brauche und welches ich unbedingt meiden sollte…

Auch und besonders im übertragenen Sinn:

- Will ich meinen Mitmenschen im Scheinwerferlicht „auseinandernehmen“ und alles registrieren und ihm sogar vorwerfen, was ich nicht gut finde, oder will ich ihn in der Beleuchtung sehen, in der ich auch gesehen werden möchte? Wohlwollend, gütig, verstehend?

- Oder will ich Menschen und Probleme mit flackerndem Licht anstrahlen, sodass alles etwas unterbelichtet daher kommt und ich mir im übrigen denken kann was ich will?

- Oder soll ich falsche Lichtbilder auf Menschen und Dinge projizieren, die mir vorgaukeln, was mir in den Kram passt?

- Und soll ich auf meine eigenen Kinder immer strahlende Laserfantasien richten, hinter denen sie selbst nicht erkennbar sind und darum auch nicht die Zuwendung bekommen die sie brauchen?

Denken Sie selbst weiter…

Licht kann verwirren und verstören und segensreich sein. Welches Licht will ich, brauche ich? Ist es nicht höchste Zeit, umzuschalten?

Vielleicht sogar erst mal ganz abschalten?

 

Abschalten - das kann ja auch wirklich mal dran sein im Alltag. Kann? Muss! Es IST nötig, so nötig, dass es in jedem Menschen „eingebaut“ ist: Nach einer gewissen Zeit, meist nachts, muss jeder abschalten. Dann muss er schlafen und im Kopf wird sortiert und regeneriert. Und auch der übrige Körper entspannt sich, um wieder am nächsten Tag fit zu sein. Das geschieht ohne unser Zutun. 

 

Aber bewusst abschalten ist genauso wohltuend und heilsam:

Das grelle Licht, das mir alle Fehler zeigt, herunterschalten, mehr mit dem Herzen sehen; zuhören, statt zu analysieren; die vielen Bilder des Tages wegräumen und auf ein neues Licht hoffen. Es geht nicht darum, sich blind zu stellen. Es geht darum, falsche Bilder weg zu räumen: dies kann weg, das muss umgedeutet werden, jenes ist einfach falsch. Oft habe ich auch Gott in einem eigenartigen, falschen Licht gesehen… Ja wir müssen wirklich immer wieder abschalten und bitten und beten, dass Gott uns das rechte Licht schenkt.

 

Auch Feste können etwas Verstörendes haben:

Fast alle Feste sind auch Feste mit Licht. Da gibt es so viel wunderbare Lichteffekte und wir genießen es, dass das Licht uns in eine andere Welt entführt. Und doch - wenn dann alles zu Ende ist, wenn das Fest aus ist, dann wird uns schmerzlich bewusst, dass das alles nur schöner Schein war.

Wenn der Rausch zuende ist, wenn die Regie das Licht aus macht - dann…?

Geht mir dann ein Licht auf? Was für ein Licht?

 

Weihnachten  steht immer wieder in Gefahr, nur so eins von diesen Lichterfesten zu sein. Wenn es aber nichts weiter ist, bleibt ein schaler Geschmack zurück. Dann verglüht es wie ein abgebranntes Streichholz.

Unsere Sehnsucht vor Weihnachten war aber: Wir wollten überrascht von Freude etwas erleben und mitnehmen, was uns durch ein Jahr, durch ein Leben trägt… Ist es falsch, Weihnachten als Fest des Lichtes zu feiern?

Ich wurde neulich aufmerksam auf ein besonderes Weihnachtsbild, ein Bild von der Christgeburt:

Gerrit van Honthorst (1592 – 1656) „Anbetung der Hirten“.  Anders als auf ähnlichen Bildern werden hier die Menschen nicht vom Himmelslicht angestrahlt oder von Laternen oder von irgendeiner „Bühnenbeleuchtung“: Das Licht kommt nur von dem neugeborenen Kind her, von Jesus.

In Jesus sehen wir alles in einem anderen Licht. Das macht Weihnachten zu einem Ereignis, das das Ganze Jahr hindurch seine Strahlkraft behalten kann. CSLewis brachte das mal auf den Punkt:

»Ich glaube an Christus so wie ich glaube, dass die Sonne aufgegangen ist, nicht nur weil ich sie (am Himmel) sehe, sondern weil ich durch sie alles andere sehen kann« (Essays 2005, Brunnenverlag).

„Ich bin das Licht für die Welt…“ sagt Jesus (Joh.8,12) Und weiter:

Wer mir folgt, tappt nicht mehr im Dunkeln, sondern hat das Licht und mit ihm das Leben.“ (Übers. R. Werner)

Wie viele Menschen haben diese Worte bei normalen Tageslicht oder Lampenlicht gelesen und haben sie uninteressiert beiseite gelegt.Das normale  Licht reicht aber nur, um die Buchstaben zu erkennen, nicht, um den Sinn zu erfassen. Im rechten Licht betrachtet, umbetet, meditiert, werden die Worte immer reicher und tiefer und immer geheimnisvoller und schöner.

„… sondern hat das Licht und mit ihm das Leben…“

Das kann uns doch wieder überwältigen, wenn uns DIESES Licht aufgeht! Christus ist das Licht.

Gott sei ewig Dank.

lebensnah - erika steinbeck [-cartcount]